Caracalla-Thermen

Hauptkomplex der Thermen

Auch Ende April wünscht man sich bereits, das Kaltwasserbecken (Frigidarium) der Caracalla-Thermen wäre mehr als nur eine Beschriftung des Lageplans. Etwas außerhalb des touristischen Zentrums gelegen, hat man schon einen kleineren Fußmarsch hinter sich, ehe man das Areal der Thermen erreicht hat. Dafür findet man kaum bis keine andere römische Ausgrabung in der ewigen Stadt, die so „leer“ ist wie diese hier. Hier hat man Zeit in Ruhe sich die Ausgrabung im eigenen Tempo zu erschließen.

Zwischen 206 und 216 n. Chr. entstanden unter den Kaisern Septimius Severus und Caracalla die zweitgrößten Thermenanlagen des antiken Roms, zur Bauzeit sogar die größten. Erst Diokletian ließ im Gebiet des heutigen Hauptbahnhofes noch größere Thermen errichten: daher auch der Name Stazione Termini. In den Caracalla-Thermen konnten auf 337×328 Metern täglich zwischen 6000-8000 Badegäste auf mehreren Stockwerken versorgt werden.

Hier kann man die unterschiedlichen Stockwerke und Gebäudeteile noch erahnen

Für das Erhitzen der Warmwasserbecken wurden wahrscheinlich jeden Tag knapp 10 Tonnen Holz benötigt, unterirdisch lagern konnte man wohl bis zu 2000 Tonnen. Damit entzieht sich dem Betrachter ein wahrscheinlich ähnlich großer Komplex unterhalb der Thermenanlage, der für die Versorgung und Infrastruktur essentiell gewesen ist.

Die Innenausstattung der Thermen muss enorm prachtvoll gewesen sein, Marmor, Fresken und Mosaike schmückten Böden, Wände und Decken. Über dem Caldarium (dem Warmwasserbecken) wölbte sich ein Kuppeldach aus Tonhohlkörpern; mit 35,08 m Durchmesser die größte dieser Bauart weltweit und nur wenig kleiner als die berühmteste Kuppel der Antike im Pantheon.

Neben dem klassischen Thermenbereich mit seinen Wasserbecken, Schwitzbädern, Umkleiden oder Massagebereichen verfügten die Caracalla-Thermen auch über Speisemöglichkeiten, eine Bibliothek, einen Sportplatz, Orte für Diskussionen und Philiosophie oder ein Mithrasheiligtum.

Durch den Verfall der Anlagen nach Ende des Weströmischen Reiches und den Diebstahl der wertvollen Innenausstattungen, unter anderem durch die Familie Farnese und Papst Paul III. sind heute kaum noch Mosaike und keinerlei Skulpturen und Fresken in den Thermen selbst zu sehen. Aber in Museen der Stadt oder dem Palazzo Farnese (und damit in Museen Neapels) sind viele ehemalige Ausstattungsobjekte erhalten geblieben.

Heute sind die Thermen, auch wegen ihrer noch erhaltenen monumentalen Architektur immer wieder beliebter Drehort für Filme. Auch John Wick: Kapitel 2, das in weiten Teilen in Rom spielt, wurde unter anderem hier gedreht. Auch die Oper Rom nutzt die Thermen jedes Jahr als Kulisse für Inszenierungen.

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