Roms Zentrum 2

Das Hadrianeum

Auch der zweite Tag im Zentrum Roms wird wieder ein sehr laufintesiver Tag. Daher nie am Anfang einer Beziehung mit solchen Tagen starten, außer man ist sich wirklich sehr sicher…

Der Start war wie fast an jedem Tag in der Tazza d’Oro am Pantheon bei einem Espresso und einem Croissant dolce. Frisch gestärkt ging es dann über das nahegelegene Hadrianeum, die Reste eines imposanten Tempels zu Ehren des göttlichen Kaisers Hadrian, zur Säule des Mark Aurel.

Die Säule des Mark Aurel wurde anlässlich der Triumphs über die Germanen und Sarmaten 176-180 n. Chr. errichtet. Die Statue von Paulus wurde erst im 16. Jahrhundert bei ersten Restaurierunsarbeiten auf die Säule gesetzt, anstelle einer bereits nicht mehr vorhandenen Figur von Mark Aurel. Die Reliefs zeigen im Detail die Gräuel des Krieges gegen die Markomannen – Die Verschleppung von Frauen und Kindern, das Niederbrennen von Dörfern und die Hinrichtung gefangener Germanen. Damit sollte die Überlegenheit der römischen Armee unterstrichen werden.

Weiter geht es über den Palazzo Borghese, eines der prachtvollsten Bauwerke Roms, der früher eine sehr bedeutende Kunstsammlung enthielt, die heute in weiten Teilen in der Villa Borghese gezeigt wird. Darunter waren Gemälde von Raffael, Tizian, Van Dyck oder Francesco Francia.

Anschließend erreicht man, direkt am Tiber gelegen, das Museo dell‘ Ara Pacis. Der Friedensaltar von Kaiser Augustus wurde vom Senat zur Ehren Octavians 9 v. Chr. geweiht und sollte Frieden und Wohlstand, die Augustus durch die Pax Augusta dem Römischen Reich gebracht hatte, darstellen. Die Nähe zum Tiber sorgte jedoch dafür, dass im Laufe der Jahrhunderte Hochwasser den Ara Pacis unter Schlamm begruben und er somit in Vergessenheit geriet. Erst 1903 begann man mit systematischen Grabungen und unter Mussolini wurde der Altar rekonstruiert und 1938 durch einen Pavillon vor Umwelteinflüssen geschützt. Damit wollte Mussolini seine eigenen imperialen Ansprüche auf den Fundamenten der römischen Antike untermauern.

Die Piazza del Popolo ist einer der berühmtesten Orte der Stadt und war der Platz, an dem schon in der Antike die Besucher von Norden kommend die Stadt betraten. Die heutige Platzgestaltung stammt aus dem Neoklassizismus und wird durch die beiden Zwillingskirchen Santa Maria in Montesanto und Santa Maria dei Miracoli geprägt. Der Obelisco Flaminio in der Mitte des Platzes ist der zweitälteste der zahllosen ägyptischen Obeliske der Stadt und wurde ursprünglich von Ramses II. 1200 v. Chr. in Heliopolis (nordöstlich von Kairo) aufgestellt.

Blick über die Piazza del Popolo mit Obelisco Flaminio und Petersdomkuppel im Hintergrund

Wer den Aufstieg auf den Pincio, einen der Hügel des „modernen“ Roms, nicht scheut, wird von dort mit einem grandiosen Blick über die Altstadt belohnt. Im Schatten der riesigen Parkanlage der Villa Borghese geht es dann weiter zu einem der mit Abstand bekanntesten Motive der Stadt, das deswegen aber auch von Touristenmassen überlaufen ist.

Vom Pincio kommend nähert man sich der Spanischen Treppe von Oben. Die Kirche an ihrer Spitze, Santa Trinità dei Monti, beherbergt einige tolle Fresken, etwa vom Michelangeloschüler Daniele da Volterra, ist aber bei der immensen Fülle an teils atemberaubenden Sakralbauten in Rom, eine der in meinen Augen eher vernachlässigbaren Kirchen. Das Gesamtensemble aber, Spanische Treppe mit Bepflanzung und Kirche gehört zu den schönsten Motiven der Stadt, dass man sich aber mit Massen an Menschen teilen muss, die oft auch nicht besonders rücksichtsvoll ihr Programm abspulen. Zu Mittag waren wir in der Antica Enoteca, die trotz ihrer Nähe zur Spanischen Treppe kaum von Touristen besucht wurde und hervorragende Pizzen und Weine bietet.

Da wir zum Leidwesen meiner Frau noch nicht genug zu Fuß gelaufen waren (diese Meinung hatte ich exklusiv), ging es mit einem „kleinen“ Abstecher weiter zum Quirinal und dem dortigen Amtssitz des italienischen Staatspräsidenten. Die ehemalige Sommerresidenz der Päpste und vor allem die beiden monumentalen Dioskurenfiguren (Castor und Pollux) der Antike lohnen aber einen Besuch, zumal man hier wieder relativ ungestört und alleine unterwegs ist. Auch Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini haben auf dem Quirinal zwei Kirchen errichtet (Sant’Andrea al Quirinale bzw. San Carlo alle Quattro Fontane). Wenn wir aber von Brunnen reden, dann können wir den wohl bekanntesten Brunnen der Welt nicht übergehen, der den Abschluss dieses Tages bildete.

Zwischen 1732 und 1762, am Übergang zwischen Barock und Klassizismus, errichtet, ist der Trevi-Brunnen einer der Touristenmagneten der Stadt. Dabei spielt heute weniger das Thema der Naturgewalten, die der Architekt Nicola Salvi zeigen wollte, eine Rolle, sondern vielmehr Legenden, wie die der Münze, die, wenn über die Schulter geworfen, Glück bringen soll. Weswegen heute Millionen von Touristen Münzen werfen und so knapp 1,2 Millionen Euro jährlich im Brunnen landen.

Wären der Brunnen und der umgebende Platz nicht notorisch überfüllt, könnte man die Arbeit des Architekten besser würdigen, denn der Brunnen wurde so konzipiert, dass er von allen Seiten unterschiedliche Blickwinkel und Sichtachsen ermöglicht.

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