Roms Zentrum 1

In der Altstadt Roms

Roms Zentrum ist zu groß und bietet viel zu viele unterschiedliche Sehenswürdigkeiten, als dass man es in einem Blogbeitrag vorstellen könnte. Ich möchte auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit formulieren, sondern lediglich das zeigen, was ich selbst in Rom gesehen habe. In der dreiteiligen Serie zum Zentrum Roms werde ich den Bereich rechts des Tibers, zwischen Ponte Sant‘ Angelo und Piazza Venezia, zwischen Ara Pacis und Kapitol behandeln. Beginnen möchte ich mit dem Areal zwischen Piazza Navona und Pantheon.

Wenn man wie wir vom Vatikan kommend über die Ponte Sant‘ Angelo läuft, erreicht man über die Via Panico und die Via del Governo Vecchio als erstes die Piazza Navona. Ihre heute langgestreckte ovale Form rührt daher, dass der Platz unter Kaiser Domitian 86 n.Chr. zu einem monumentalen Stadion ausgebaut worden war, das 275×106 Meter maß und Platz für 30.000 Zuschauer bot. Gefühlt sind diese Masse an Menschen auch heute wieder den ganzen Tag auf der Piazza Navona unterwegs. Wer das Ensemble in relativer Ruhe auf sich wirken lassen und sich ungestört bewegen möchte, der sollte spätestens bis 8:00 in der Früh an der Piazza Navona sein. Auch Essen und Trinken sollte man woanders, da hier in den Restaurants die Touristenpreise verlangt werden.

Beachtenswert ist vor allem der Vierströmebrunnen von Gian Lorenzo Bernini aus den Jahren 1648-51, ein Meisterwerk der hochbarocken Plastik in Italien.

Von der Piazza Navona führt der Weg der Massen direkt weiter zum Pantheon. Auf dem Weg sollte man noch einen Zwischenstopp bei zwei der unzähligen Kirchen Roms einlegen. Zunächst bei San Luigi dei Francesi, der im 16. Jahrhundert entstandenen Nationalkirche der Franzosen, die dem heiligen König Ludwig IX. von Frankreich gewidmet ist. Das große Highlight dieser Kirche sind die drei Gemälde von Caravaggio in der Contarelli-Kapelle der Kirche. Caravaggio gilt als Begründer der römischen Barockmalerei und ist vor allem für seinen Chiaroscuro-Stil bekannt, also das Verbinden heller und dunkler Malpartien auf einem Bild.

Auch das etwas nördlich gelegene Sant‘ Agostino in Campo Marzio ist eine sehenswerte Kirche, vor allem weil man hier kaum Touristen begegnet. Unter anderem Raffael und Caravaggio haben Bilder für die Kirche geschaffen und die blaue Sternendecke der Seitenschiffe bzw. der Kuppel hat uns damals besonders gut gefallen.

Von Sant‘ Agostino in Campo Marzio ging es dann weiter zum Pantheon, dem für uns wichtigsten Ort in Rom. Das hängt aber weniger mit dem Pantheon, als vielmehr mit dem Caffè Tazza d’Oro zusammen, wo es in unseren Augen den besten Espresso der Stadt und die beste Granita al Caffè der Welt gibt. Letztere ist allerdings mit „doppia panna“ (also mit doppelt Sahne) und taugt daher auch als eigenständige Mahlzeit.

Das Pantheon zählt sicherlich zu den bekanntesten Bauwerken der Stadt, hatte über 1700 Jahre lang die größte Kuppel der Welt und ist wahrscheinlich das best erhaltene Gebäude der Antike. Entstanden 125 bis 128 n. Chr. unter Kaiser Hadrian und Anfang des 7. Jahrhunderts zur Kirche umgewandelt, hat es die folgenden Jahrhunderte relativ unbeschadet überstanden. Wenn man das Gebäude aber umrundet, zeigt sich wie tief es seit dem Bau eingesunken ist.

Neben den Grablegen der beiden für die italienische Einigung (das Risorgimento) so zentralen Könige Vittorio Emanuele II. und Umberto I. liegen hier auch mehrere große Künstler der Renaissance begraben. Während Baldassare Peruzzi (Baumeister des Petersdoms und Erbauer der Villa Farnesina in Rom) oder Annibale Carracci (mit Caravaggio Begründer der italiensichen Barockmalerei) nur absoluten Kunstliebhabern ein Begriff sein dürften, liegt mit Raffael einer der bekanntesten und bedeutendsten Künstler der italienischen Renaissance ebenfalls im Pantheon begraben.

Wirklich sprachlos macht mich aber auch beim dritten Besuch der Stadt noch die Rotunde des Pantheons. Mit 43,35m Durchmesser ist die Kuppel des Pantheons ein absolutes Meisterwerk antiker Architektur. Wenn man bedenkt, dass erst knapp 1700 Jahre später wieder Vergleichbares erschaffen werden konnte, kann man nur mit Ehrfurcht vor dem Wissen und Können der Menschen in der Antike reagieren.

Eine der in meinen Augen schönsten Kirchen Roms findet sich nur wenige Meter südlich des Pantheons. Santa Maria sopra Minerva ist der einzige erhaltene wichtige Kirchenbau aus der Gotik. Allein das reicht für mich bereits um die Kirche zu lieben… Errichtet auf den Mauern eines Minervatempels (daher ihr Name) liegt hier die Gablege der Heiligen Katharina von Siena, mit Hildegard von Bingen eine der bedeutendsten Mysterikerinnen des Mittelalters. Katharina war zudem eine Schlüsselfigur bei der Rückkehr des Papsttums aus Avignon nach Rom.

Darüber hinaus bietet das Hauptschiff diesen oben zu sehenden lapislazuliblauen Sternenhimmel, der dem Kircheninneren etwas magisches verleiht. Neben Katharina liegen hier auch mehrere Päpste begraben, u.a. Clemens VII. aus dem Hause Medici. Aber auch die Grablege von Fra Angelico, dem Schutzpatron der christlichen Künstler und einer der wichtigsten Vertreter der Frührenaissance-Malerei (sein Hauptwerk sind die Fresken von San Marco in Florenz) in Italien, befindet sich in der Kirche.

In der Carafa-Kapelle finden sich herausragende Fresken von Filippino Lippi zwischen 1489 und 1492 und links vom Hauptchor steht die Statue des auferstandenen Christus. Dieses Meisterwerk der Hochrenaissance wurde zwischen 1519 und 1521 von Michelangelo geschaffen, dem in meinen Augen größten Künstler aller Zeiten. Der Lendenschurz wurde erst nachträglich angebracht und stört die Perfektion der Figur leider etwas. Da mittlerweile das Fotografieren in der Kirche verboten ist, stammen die Bilder aus dem Inneren der Kirche von früheren Besuchen in den Jahren 2006/08.

Palazzo Montecitorio

Im Gebiet zwischen Piazza Navona und Pantheon befinden sich auch viele Regierungsgebäude und Ministerien des italienischen Staates, wie der oben sichtbare Palazzo Montecitorio im Norden. Daher herrscht hier auch eine relativ hohe Polizei- und Anzugsträgerpräsenz.

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