Heidelberg

Auf der „Alten Brücke“ von Heidelberg

Ein ganz besonderes Juwel der Städtearchitektur in Deutschland ist Heidelberg, da es während des Zweiten Weltkriegs nicht zerstört wurde und sich somit seine historische Bausubstanz flächendeckend bewahren konnte. Das sehen auch knapp 1,2 Millionen Besucher jedes Jahr genauso (Stand 2020), weswegen die Stadt fast das ganze Jahr touristisch gut besucht ist.

Einen Rundgang durch die Stadt beginnt man am besten auf der Alten Brücke, deren erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1284 datiert. So bekommt man einen Eindruck, wie sich die Stadt dem Besucher auch schon vor 300 Jahren präsentiert hat. Ihre heutige Gestalt erhielt die Brücke 1788 unter Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz.

Altstadt mit Blick auf das Schloss

Auf Grund der Zerstörungen durch die französischen Truppen Ludwigs XIV. in den Jahren 1689 und 1693 im Rahmen des neun jährigen Krieges (meist als Pfälzer Erbfolgekrieg bezeichnet, was historisch gesehen aber nicht richtig ist), der damals fast ganz Europa erfasst hatte, wurde Heidelberg in der Folge als Barockstadt neu aufgebaut. Und an dieser Stelle muss ich bei meiner generellen Abneigung dem Barock gegenüber (der mir in seiner malerisch/architektonischen Ausprägung zu verspielt, zu pompös und zu vordergründig ist) eine Ausnahme machen. Denn auch ich konnte mich dem unbestreitbaren Charme des barocken Heidelbergs nicht entziehen. Daher sollte man sich durchaus die Zeit nehmen, gemütlich durch die Altstadt zu bummeln, einen Blick in die Heilig Geist Kirche zu werfen und erst dann Richtung Schloss weiterzuziehen.

Das Heidelberger Schloss ist sicherlich eine der berühmtesten Ruinen Deutschlands. Bis zu seiner Zerstörung durch die Franzosen im neunjährigen Krieg war es über Jahrhunderte Sitz der Kurfürsten von der Pfalz gewesen. Seitdem wurde es auch nur teilweise renoviert und zählt heute zu den meist besuchten Sehenswürdigkeiten Europas.

In dem auf dem oberen rechten Bild zu sehenden Turm, bzw. in der noch erhaltenen Ruine des Turms, saß wohl auch der berühmteste Gefangene des Heidelberger Schlosses. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts sah sich Europa einer noch nie dagewesenen religiösen Spaltung ausgesetzt. Im sogenannten Großen Abendländischen Schisma hatte zunächst Papst Urban VI. das Kardinalskollegium von 16 auf 45 Kardinäle erweitert, weswegen er von den 16 ursprünglichen Kardinälen als unfähig abgesetzt wurde und in Avignon ein zweiter Papst, Clemens VII., zum Gegenpapst erhoben wurde. Da es auf dem Konzil von Pisa 1409 nicht gelang durch die Einsetzung eines neuen (dritten) Papstes wieder für Einigkeit zu sorgen, gab es plötzlich drei Päpste gleichzeitig, die alle für sich beanspruchten, der Nachfolger Petri zu sein. Erst auf dem Konstanzer Konzil 1414-1418 gelang es durch die Absetzung und teilweise Inhaftierung der amtierenden Päpste und die Wahl Martins V. zum neuen einzigen Papst, wieder Klarheit zu schaffen. Einer dieser abgesetzten Päpste, Johannes XXIII. (Nummerierung als Gegenpapst, weswegen ein weiterer Johannes XXIII. 1958 Papst werden konnte) wurde zeitweise auf dem Heidelberger Schloss inhaftiert.

Blick auf die Heidelberger Altstadt und die Alte Brücke über den Neckar

Auch der traumhafte Blick auf Altstadt und Neckar macht den Aufstieg zum Schloss und einen Spaziergang durch die Gartenanlage zu einem lohnenden Abschluss der Stadttour durch Heidelberg.

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