Südtiroler Wein

Weinberge bei Eppan

Jedes Mal wenn ich erzähle, dass ich wieder nach Südtirol fahre, weiß jeder, dass das Auto bei der Heimfahrt voller sein wird, als bei der Hinfahrt. Denn neben dem Apfel im heimischen Supermarkt hat sich Südtirol zu einer bekannten Weinbauregion mit erlesenen und vielfach ausgezeichneten Spitzenweinen entwickelt. Und da bei mir die Liebe immer (auch) durch den Magen geht, sind Südtiroler Weine stets wichtiger Bestandteil meines Urlaubs.

So geht es aber nicht nur mir, denn schon seit der Antike lässt sich der Weinbau entlang der Etsch nachweisen. Während des Mittelalters kam ihm eine besondere Rolle zu, war doch Wein für all diejenigen die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hatten das wichtigste Getränk. Auch konnte kein Gottesdienst ohne Wein zur Wandlung stattfinden, sodass bereits damals aus Bayern große Nachfrage nach Südtiroler Wein bestand. Fast alle bayerischen Klöster besaßen Weinberge im Gebiet des heutigen Südtirols, ob es Schäftlarn, Frauenchiemsee, Weihenstephan oder das Kloster Tegernsee waren. Und was die Mönche des Mittelalters konnten, kann ich heute allemal, wenn auch in deutlich kleineren Mengen…

Allerdings kann ich den Wein heute deutlich mehr genießen, müssen wir doch davon ausgehen, dass das, was die Menschen im Mittelalter als Wein getrunken haben, zum einen deutlich weniger Volumenprozent hatte (wohl nur im Bereich von 4-6%) und zum anderen bei weitem nicht die Qualität hatte, wie es viele Weine heute haben. Erstens war Wein unfiltriert, zweitens konnten es sich Weinbauern damals nicht leisten, sortenreine Weine anzubauen, da fehlender Schädlingsschutz, deutlich kühlere Sommer und schneereichere sowie längere Winter oft hohe Ernteausfälle mit sich brachten. Daher wurde am Ende das, was an Reben überlebt hatte, zu einem Wein zusammengemischt, meist lediglich unterschieden in Weiß- und in Rotwein. Zu meinen Lieblingen zählen der Gewürztraminer und der Goldmuskateller, deren Vorgänger schon die Begleiter des Kardinals Francesco Piccolomini 1471 zum besten Tirols gekürt hatten.

Weinreben mit Schlernpanorama

Heute werden auf ca. 5400 ha unterschiedliche Weine vor allem entlang der Südtiroler Weinstraße im Etschtal (strada del vino) mit bekannten Weinbauorten wie Kaltern oder Tramin, aber auch im Eisacktal angebaut. Neben europaweit existierenden Rebsorten wie Chardonnay, Merlot, Riesling oder Sauvignon gibt es auch einige autochthone Rebsorten, die teils bis heute nur in Südtirol existieren oder dort erstmals in Europa nachweisbar waren. So wie der Gewürztraminer, der Lagrein, der Vernatsch oder der St. Magdalener.

Bei dieser Fülle an Reben und Kellereien die diese verarbeiten, ist es gerade für Menschen die das Weinland Südtirol erst entdecken schwierig, einen Überblick zu bekommen. Daher empfehle ich für jeden mit Freude am Genuss und der Bereitschaft für hervorragendes Essen auch mehr Geld auszugeben einen Besuch des Restaurants Kuppelrain in Castelbell im Vinschgau. Denn wer dort zum Menü die Weinbegleitung von Frau Trafoier genossen hat, weiß, welchen Winzern er dringend einen Besuch abgestattet haben sollte.

Aus persönlicher Erfahrung möchte ich eine kleine nach Rebsorten geordnete Auswahl an selbst getrunkenen und oft noch im eigenen Keller liegenden Weinen vorstellen.

Weißweine

Gewürztraminer: Dieser eher säurearme Wein zeichnet sich durch seinen intensiven Geruch und Geschmack nach Trockenfrüchten, Litschi, Rose und/oder Marzipan aus. Daher passt er gut zu stark gewürzten Speisen, Käse oder Nachspeisen, während man zu einfachem Salat oder Fisch lieber andere Weißweine wählen sollte. Zudem ist er mit teils 14-16% recht alkoholreich für einen Weißwein. Zu empfehlen wären hier die Gewürztraminer des Ritterhofs, allen voran ihr Flaggschiff, der Auratus oder die Weine der Kellerei Schreckbichl.

Goldmuskateller: Diese Traube ist eine in Italien autochthone Rebsorte, die vor allem in den Provinzen Bozen und Trient, aber auch in Padua, Verona oder um Udine angebaut wird. Neben der namensgebenden Muskatnote bietet der Wein feine Zitrus- und Orangenaromen, kann aber wie der Goldmuskateller vom Landesweingut Laimburg auch leichte Salbeinoten besitzen.

Kerner: Durch seine gute Winterfrostwiderstandsfähigkeit und seinen späten Austrieb eignet sich diese noch sehr junge Rebsorte (1929 in Deutschland gezüchtet) sehr gut für den Anbau im Eisacktal. Der etwas säurehaltigere Wein ist dem Riesling nicht unähnlich, aber etwas aromatischer im Duft. Grüner Apfel, Aprikose und Birne sind die vorherrschenden Aromen, was den Wein gut zu Fischgerichten, Vorspeisen und Salaten harmonieren lässt. Ein sehr hochwertiger Südtiroler Kerner wäre der Praepositus von der Stiftskellerei Neustift.

Pino Grigio: Auch unter dem Namen Grauburgunder bekannt, zeichnet sich dieser Wein durch eine satte goldgelbe Farbe aus. Aromatisch variiert er zwischen einem leicht blumigen Bukett, kann aber auch recht intensiv nach reifen Früchten schmecken. Ein hervorragendes, aber etwas teureres Beispiel wäre der Pino Grigio Giatl Riserva von Peter Zemmer.

Sauvignon: Diese Rebe gehört zu den bekanntesten Weißweinsorten weltweit. Sein charakteristischer Duft nach Zitrusfrüchten oder Kräutern wird mittlerweile auch durch sehr fruchtige Aromen nach Weinbergpfirsich und Aprikose ergänzt. Der Sauvignon ist ein klassischer Weißwein zu Fischgerichten. Ich persönlich bevorzuge in Südtirol den Sauvignon Winkl von der Cantina Terlan oder den Sauvignon Mantele von Nals Magreid. Der auf den Namen Quarz getaufte „große Bruder“ des Sauvignon Winkl ist für mich leider unbezahlbar, spielt aber geschmacklich in einer ganz anderen Liga.

Cuvée

Neben den reinsortigen Weinen gibt es selbstverständlich auch eine Vielzahl an Cuvées, sowohl bei Weiß- als auch bei Rotwein. Cuvée bedeutet dabei, dass ein Wein aus zwei oder mehr Rebsorten, die getrennt voneinander erst im Keller gelagert werden anschließend verschnitten wird. Wenn hingegen unterschiedliche Sorten gemeinsam geerntet, gepresst und vinifiziert werden, nennt man das Ergebnis einen „gemischten Satz“. Ein sehr gut schmeckender Weißweincuvée aus Chardonnay 65%, Sauvignon 20%, Weißburgunder 10% und Gewürztraminer 5% wäre zum Beispiel der Stoan von der Kellerei Tramin.

Rotweine

Lagrein: Dieser nur in Südtirol existierende Rotwein wird vor allem in der Region Bozen um den Stadtteil Gries angebaut. Eher dunkel in der Farbe und tanninhaltig reichen die Aromen von fruchtigen Beeren wie Brombeere über (Sauer-)Kirsche bis zu blumigeren Düften wie Veilchen. Dadurch passt er vor allem zu Wild, Braten, Lamm oder Rind. Empfehlenswert wären unter anderem der Lagrein Gries von der Cantina Terlan oder der Sigis Mundus von Schreckbichl.

St. Magdalener: Hierbei handelt es sich um eine weitere autochthone Rebsorte Südtirols, die dem Vernatsch sehr ähnlich ist. Deutlich leichter und etwas säurehaltiger als der Lagrein, aber voller und intensiver als er Vernatsch habe ich persönlich bisher leider wenige St. Magdalener gefunden, die mir gut geschmeckt haben. Bei Rotweinen bevorzuge ich die schweren, statt der leichten Roten trinke ich meist lieber einen Weißwein. Bislang konnte mich nur der St. Magdalener, wiederum von der Cantina Terlan überzeugen.

Dessertwein

Rosenmuskateller: Eine Besonderheit stellt diese Rebsorte dar, denn sie wird nur recht selten und in kleinen Mengen angebaut. Als reiner Dessertwein mit intensivem Rosen- sowie Lindenblütenduft und Muskat-, Zimt- und Honigaroma eignet er sich hervorragend zu Süßspeisen. Da er anspruchsvoll im Anbau ist und nur geringe Erträge erbringt findet man ihn nicht bei jedem Winzer im Angebot. Daher ist er meist recht hochpreisig wenn er gekeltert wird; eine gute Preis-Leistung bietet in meinen Augen das Produkt von Elzenbaum in Tramin.

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